Sind Sie eigentlich resilient?

Bestimmt kennen Sie aus Ihrer Kindheit Stehaufmännchen: Figuren, die sich aus jeder Lage von selbst in eine senkrechte Position bringen. Mit dieser Fähigkeit verbildlichen sie  wunderbar den Begriff Resilienz.

Wer resilient ist, ist widerstandsfähig, meistert schwierige Situationen und geht aus seelischen Krisen gestärkt, mit neuen positiven Erfahrungen hervor. Resilienz hilft uns, souverän auf Veränderungen, ständigen Wandel oder besondere Herausforderungen zu reagieren.

Ursprung des Ausdruckes Resilienz ist das lateinische Wort resilire, welches so viel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“ bedeutet. Mit seinem Einzug in die Psychologie in der Mitte des 20. Jahrhunderts bekommen psychosoziale Risikofaktoren einen neuen Stellenwert: Während sie bis dato lediglich als nachteilig für die Entwicklung des Individuums galten, fokussiert sich die Resilienz auf die positiven Effekte.

„Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ Samuel Beckett | Schriftsteller und Nobelpreisträger | 1906 – 1989

Sind Sie ein Stehaufmännchen? Resiliente Menschen sind häufig optimistisch und zuversichtlich, mit sich selbst im Reinen, stecken sich klare Ziele und verfolgen diese diszipliniert, haben Humor und erleben negative Momente als zum Leben gehörend. Die gute Nachricht: Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass Resilienz erlernt und trainiert werden kann. Bertelsmann Stiftung | Führung, Gesundheit und Resilienz

 

Wege zur Resilienz

Es ist, wie es ist.

Akzeptieren Sie unveränderbare Situationen. Auch wenn die Frage „Warum passiert das gerade mir?“ durchaus nachvollziehbar ist, bringt sie uns selten voran und wir drehen uns im Kreis. Jeder Mensch erlebt Situationen, die ihm unangenehm bis unzumutbar erscheinen. Kämpfen Sie nicht gegen Windmühlen. Ihr Ärger über einen Stau löst ihn nicht auf. Im Gegenteil: Durch unnötige Aufregung verbrauchen Sie Stück für Stück Ihre Ressourcen. Nehmen Sie die Dinge so an, wie sie sind. Das kann ein erster Schritt auf dem Weg zur Lösung sein.

 

„Resilience is the intelligent deployment of limited resources.“ Dean M. Becker

 

Eine positive Einstellung zum Leben

Seien Sie bewusst optimistisch und betrachten Sie die Situation von ihrer besten Seite. Selbst eine Krise hat positive Aspekte. Ich erinnere mich beispielsweise an einen sehr guten Freund, der einen Herzinfarkt erlitt. Zur Therapie gehörten unter anderem eine Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität. Diese Veränderungen standen wie ein Berg vor ihm. Ich habe ihm Mut gemacht und gesagt: „In einem halben Jahr wirst du dich fragen, warum du das nicht schon längst gemacht hast.“ Seine Reaktion werde ich nicht vergessen: „Du findest sogar an einem Herzinfarkt noch etwas Positives.“

 

Die Gedanken sind frei

Sind sie es wirklich? Häufig verfallen wir immer wieder in die gleichen Denk- und  Handlungsmuster. Aus einer negativen Erfahrung entwickeln sich feste „Weltanschauungen“. Aus einer einzelnen misslungenen Präsentation manifestiert sich der Gedanke „Ich kann das nicht.“. Dieser Satz wird Sie in Zukunft vor jeder weiteren Präsentation blockieren. Verändern Sie Ihren Blickwinkel. Befreien Sie sich von dem Gedanken des Nichtkönnens und stellen Sie sich nach einer guten Vorbereitung den Best Case vor – Sie stehen vor einem begeisterten, applaudierenden Publikum. Starten Sie mit diesem Gefühl Ihren nächsten Auftritt und genießen Sie den Erfolg.

 

Stärken nutzen

Beantworten Sie sich ehrlich die eine Frage: Was macht mich für andere Menschen attraktiv und unverwechselbar? Viele Menschen tendieren dazu, all das, was sie besonders gut können, als selbstverständlich anzusehen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre großen und kleinen Stärken und vermeiden Sie den ständigen Vergleich mit anderen Menschen.

 

„Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig.“ Dr. Eckart von Hirschhausen | Die Pinguin-Geschichte

 

Die Lösung im Blick

Jeder braucht gelegentlich einen Moment des stillen vor-sich-hin-Leidens und des Selbstmitleids. Halten Sie ihn kurz und verlassen Sie die „Opferrolle“. Analysieren Sie die Situation, suchen Sie nach Lösungen und vor allem: Treffen Sie eine Entscheidung. Sich entscheiden heißt auch, Verantwortung für die Konsequenzen zu übernehmen. Der Mensch ist mehr als sein Verstand. Was sagt Ihr Bauchgefühl? Je intensiver Sie Ihre Motive und Werte bei der Entscheidung beachten, umso einfacher wird es, den neuen Weg zu gehen.

 

Im Netzwerk leben

Wie ein Sicherheitsnetz in der Hochseilakrobatik wirkt ein Netzwerk aus privaten und geschäftlichen Kontakten. In Krisensituationen wird man aufgefangen, hat Ansprechpartner für unterschiedliche Themen. Je dichter und verzweigter das Netz, umso zuverlässiger die Unterstützung. Resiliente Menschen haben gelernt, offen über ihre Situation zu sprechen und Hilfe von anderen Menschen anzunehmen.

 

Betrachten Sie Ihr Netzwerk auch einmal aus einer anderen Perspektive: Wer stärkt Sie, wer nutzt Ihre Energie? Ein gutes Netzwerk ist niemals eine Einbahnstraße.

 

Ziele geben Sinn

Setzen Sie sich Ziele. Sie sind ein wichtiger Schritt, um selbstbestimmt zu leben. Indem Sie die Richtung vorgeben, können Sie die Ihnen zur Verfügung stehende Energie bestmöglich nutzen und diszipliniert an der Erreichung Ihrer Ziele arbeiten.

 

Jeder Mensch verfügt über ein Maß an Resilienz. Dieses auszubauen lohnt sich. Hoch-resiliente Menschen erleben sowohl im privaten wie auch im geschäftlichen Bereich mehr Zufriedenheit als weniger resiliente Menschen. Führungskräfte macht die Eigenschaft erfolgreicher in ihrer Position und mit ihrem Team. Außerdem unterstützt eine hohe Resilienz die Gesundheit. Für Unternehmen rentiert es sich, Resilienz-Trainings und Coachings als Baustein in das Betriebliche Gesundheitsmanagement oder in die Führungskräfte-Entwicklung zu etablieren.

 

Cornelia Dill

Trainerin | Systemischer Management Coach | MPAexperte